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So kam die Frauengeschichte der hessen-nassauischen Kirche ins Internet

Artikel von Antje Schrupp (evangelischesFrankfurt.de) 22. August 2018

Die früheren Frankfurter Pfarrerinnen Ute Knie und Helga Engler-Heidle haben dafür gesorgt, dass die Geschichte der Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) dokumentiert wird. Inzwischen gibt es bereits mehrere Wikipedia-Artikel und zahlreiche Portraits, Interviews und Dokumente auf der Webseite der Landeskirche.

Helga Engler-Heidle (links) und Ute Knie beim Planen und Diskutieren: Mit ihrer Initiative haben sie dafür gesorgt, dass die Geschichte der Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau dokumentiert wurde. | Foto: Antje Schrupp

Was nicht auf Wikipedia steht, das ist auch nicht passiert: Diese Behauptung ist zwar offensichtlich falsch, enthält aber durchaus ein Körnchen Wahrheit. Viele Menschen informieren sich heute erst einmal auf der Internetseite des größten kollaborativen Lexikons der Welt, wenn sie etwas wissen wollen.

Dass Informationen über Frauen und erst recht über kirchlich engagierte Frauen auf Wikipedia jedoch nur spärlich vertreten sind, ist hinreichend bekannt. Aber es nützt ja nichts, sich bloß zu ärgern. Das dachten sich jedenfalls die beiden früheren Frankfurter Pfarrerinnen Helga Engler-Heidle und Ute Knie und starteten vor zwei Jahren die Initiative „Wikifemina“. Ihr Ziel: Frauen und Ereignisse, die für die Geschichte der hessen-nassauischen Kirche wichtig waren, zu dokumentieren und möglichst auch auf Wikipedia zu bringen.

Mit der Geschichte der Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau kennen die beiden sich bestens aus, denn sie haben selbst aktiv daran teilgenommen, zum Beispiel als Mitgründerinnen der Werkstatt Feministische Theologie 1983, der kirchenpolitisch aktiven Gruppe Frauen-Frieden, des Netzwerks Frauen in der EKHN sowie zahlreicher anderer Initiativen. Helga Engler Heidle war Frauenpfarrerin und später Mitbegründerin des Evangelischen Frauenbegegnungszentrums, das sie über viele Jahre leitete, Ute Knie war Gemeindepfarrerin und ging später in die Fortbildung, zuletzt war sie Leiterin der Evangelischen Stadtakademie am Römerberg. Beide haben noch stapelweise Bücher, Dokumente, Fotos und sonstige Unterlagen, die an die bewegten feministischen Jahre erinnern.

Doch das alles auf Wikipedia zu bringen, ist gar nicht so einfach, und es erfordert auch Ressourcen. Zielgerichtet und effektiv, wie die beiden Ruheständlerinnen schon zu Berufszeiten gearbeitet haben, gingen sie auch bei diesem Projekt vor: Sie setzten nicht nur die inhaltlichen Schwerpunkte, sondern suchten sich auch Beraterinnen und Fachfrauen (darunter, dies zur Offenlegung, die Autorin dieses Artikels) und die Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche in Darmstadt. Sie gewannen erfahrene Journalistinnen und Wikipedia-Expertinnen für das Projekt, die wiederum interviewten Zeitzeuginnen, schrieben Artikel und bereiteten das alles so auf, dass es die strengen Kriterien von Wikipedia erfüllt.

Das Ergebnis zwei Jahre später kann sich sehen lassen: Schon Anfang des Jahres ging der Wikipedia-Artikel über „Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau“ online. Bestehende Wikipedia-Artikel wurden ergänzt und erweitert, andere ganz neu angelegt, wie etwa die über Heidi Rosenstock, einer feministischen Protagonistin der ersten Stunde, und Ursula Trautwein, die vor allem für die Kampagne „Kauft keine Früchte der Apartheid“ bekannt wurde.

Ausführlicher noch sind die Artikel auf der Internetseite der EKHN, wo es in der Rubrik „Geschichte“ jetzt einen Menüpunkt „Frauenbewegung“ gibt. Hier sind die Texte in drei Kategorien sortiert, Frauen der Bewegung, Meilensteine und Initiativen, Einrichtungen. Bereits online verfügbare Protagonistinnen sind unter anderem Waltraud Frodien, die 1980 in Frankfurt als erste Frau Dekanin wurde, Eva Renate Schmidt, die 1986 stellvertretende Präses der Synode wurde, oder Helga Trösken, die 1987 Pröpstin von Frankfurt wurde und damit die erste Frau in Deutschland war, die bischöfliche Aufgaben übernahm.

Aber nicht nur Frauen in offiziellen Ämtern werden gewürdigt, sondern auch Aktivistinnen wie etwa Madeleine Gengenbach oder Ursula Hauptmann, die sich in der Friedensarbeit engagierten, aus der später die Einrichtung eines Friedenspfarramtes hervorging. In der Rubrik Meilensteine nimmt die legendäre „Frauenanhörung“ von 1986 einen wichtigen Platz ein: Damals versammelten sich 450 Frauen und 50 Männer in der Darmstädter Fachhochschule, um über das Verhältnis der Geschlechter zu diskutieren. Die Versammlung hatte weitreichende Folgen für die Gleichstellung in Hessen und Nassau.

Die Internetseiten enthalten nicht nur Texte, Fotos und historische Abbildungen, sondern auch Audiofiles aus den Interview der Zeitzeuginnen. Das Projekt läuft noch bis Ende des Jahres, eine ganze Reihe weiterer Artikel sind noch in Arbeit oder in Planung. Das Schmökern lohnt sich aber jetzt schon.

Link zur Startseite „Frauenbewegung“ auf der EKHN-Internetseite

Link zum Wikipedia-Artikel „Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau“

Die richtige Person am richtigen Platz! Bewerbungsverfahren gestalten

Sie möchten gut qualifiziertes Personal finden? Professionell gestaltete Bewerbungsverfahren sind dafür eine wichtige Voraussetzung. Transparent und fair gestaltete Verfahren fördern zudem die Chancengerechtigkeit in der Kirche.

Gerade Ehrenamtliche verfügen zwar über Fachwissen in den unterschiedlichsten Bereichen, sind aber nicht unbedingt vertraut mit dem Verfahren der Personalauswahl.

Die Konferenz der Genderreferate und Gleichstellungsstellen der Gliedkirchen der EKD hat eine Arbeitshilfe herausgegeben, die beschreibt, wie professionelle Bewerbungsverfahren geplant und durchgeführt werden können. Sie gibt Tipps und Informationen für Kirchenvorstände, Kirchengemeinderäte und für alle, mit der Personalauswahl befassten kirchlichen Gremien.

Ende September/ Anfang Oktober 2018 erhalten die Dekanate die Broschüre mit der Bitte zur Weiterleitung an die Kirchengemeinden.

Hier die Broschüre: Die_richtige_Person_am_richtigen_Platz

CSD Motto – Du bestimmst nicht mein Geschlecht!

Vor dem Verwaltungsgebäude am Paulusplatz wurde die Regenbogenfahne anlässlich des „Christopher-Street-Day“ (CSD) 2018 zum vierten Mal auf Initiative des Stabsbereichs Chancengleichheit gehisst. Sie ist das Zeichen der Solidarität mit Menschen ganz unterschiedlicher sexueller Orientierung und Identität.

Mehr als 1500 Menschen folgten dem diesjährigen Aufruf von Vielbunt und Anderen und beteiligten sich an der CSD Demonstration. Erstmals war die Evangelische Jugendvertretung im Dekanat Darmstadt-Stadt mit einem eigenen Wagen bei der CSD-Parade durch die Stadt dabei.

Bei der Zwischenkundgebung vor der Krone sprachen z.B. Vertreter*innen von Queer Refuges, die u.a. auch auf die Situation in ihren Heimatländern aufmerksam machten. Ein weiteres Thema war, dass die erkämpften Rechte gegen rechts-populistische Kräfte verteidigt werden müssen.

Im Anschluss an den Umzug wurde ein buntes Fest mit zweidutzend Ständen am Riegerplatz gefeiert. Mitarbeitende der hessen-nassauischen Kirche unterstützten dabei den Stand der Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK).

„Bei der HuK wurden auch Vorschläge für ein künftiges Mahnmal in Darmstadt gesammelt, das an Menschen erinnern soll, die wegen ihrer sexuellen Orientierung kriminalisiert wurden. Erst 1994 wurde der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches gestrichen, der unter anderem sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Insgesamt gab es während der Geltungsdauer des Gesetzes rund 140.000 Verurteilungen, darunter auch mindestens 50.000 im Nachkriegsdeutschland. Die hessen-nassauische Kirche setzt sich seit Langem für die Gleichstellung homosexueller Menschen ein. Sie wendet sich gegen jede Form der Diskriminierung aufgrund von geschlechtlicher oder sexueller Identität und Orientierung. Zuletzt hatte die EKHN sich in einer umfangreichen Publikation mit Fragen zur Transsexualität auseinandergesetzt. Um für das Thema sensibel zu machen und für die Belange transsexueller Menschen in und außerhalb der Kirche einzutreten, veröffentlichte die hessen-nassauische Kirche im April 2018 eine Handreichung zur Transsexualität. Die Broschüre mit dem Titel „Zum Bilde Gottes geschaffen. Transsexualität in der Kirche“ will aus bewusst christlicher Perspektive heraus einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen in ihrer Vielfalt wahrgenommen und Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht und sexueller Orientierung beendet werden.“ (Auszug aus Pressemitteilung vom 16.08.2018 von Volker Rahn)

 

 

 

Volksabstimmung über die vom hessischen Landtag am 24. Mai 2018 beschlossenen 15 Gesetze zur Änderung der Verfassung des Landes Hessen

Unter anderem soll die Gleichberechtigung von Mann und Frau explizit in die Verfassung aufgenommen werden. Ziel der Änderung soll sein, die Durchsetzung der Gleichberechtigung zu fördern und bestehende Nachteile abzubauen. Dabei soll nicht nur der Abbau rechtlicher Ungleichheit stattfinden, sondern auch der Abbau gesellschaftlicher Diskriminierung insgesamt wird als Ziel dieser Verfassungsänderung genannt.

Im Artikel 1 Absatz 1 der hessischen Verfassung heißt es:

Alle Menschen sind vor dem Gesetze gleich, ohne Unterschied des Geschlechts, der Rasse, der religiösen und der politischen Überzeugung.

Unter Absatz 2 soll nun ergänzt werden:

Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Weitere Punkte der Verfassungsänderung sind u.a.:

Bei der Volksabstimmung haben Sie die Möglichkeit über alle 15 Änderungen im Gesamten abzustimmen oder jeder Änderung einzeln zuzustimmen. Informieren Sie sich über die einzelnen Änderungen vorab (sie können z.B. die oben genannten Punkte anklicken).

Hier der Musterbogen: Stimmzettel Volksabstimmung Hessen 2018 web 1

Nähere Informationen erhalten Sie unter: https://Wahlen.hessen.de

Wenn Sie nicht „en bloc“ abstimmen:

Ist, aus Sicht der Chancengleichheit, die Zustimmung zur Ergänzung des § 1 zur Stärkung und Förderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen wichtig!